Deine Schwester Jenny Zwei Jahre und 37 Tage nach deinem Tod, wurde Deine Schwester Jenny geboren. Als ich merkte, dass ich wieder schwanger bin, konnte ich mein Glück kaum glauben. Die Freude war so groß, aber auch die Angst war wieder da.
*** Ich wollte alles dafür tun, dass es meinem Baby gut geht und ich nicht nochmal all das durchmachen muss, dass ich bei Thomas erlebt habe. Ich informierte damals meine Arbeitgeber über meine Schwangerschaft und dieser reagierte sofort und gab mir einen "Schonplatz".
*** Ich setzte "Schonplatz" hier mit Absicht in Anführungsstriche, da es nicht wirklich einer war. Ich wurde in der betriebseigenen Kita zum Putzen abdeligiert, was für mich bedeutet, schwere Wassereimer schleppen und und und. Da ich aber kein Querulant bin, habe ich diese Arbeit natürlich gemacht.
*** Einige Wochen nachdem ich diese Arbeit dort angetreten bin, traten in der Kita "Röteln" auf. Es hatte genau die Kinder erwischt, mit denen ich noch einige Tage vorher Kontakt hatte, was ja in so einer Kita nicht ausbleibt. Da ich wußte, dass sich dies negativ auf das Baby auswirken kann, fuhr ich voller Panik zu meiner behandelnden Ärztin.
*** Ich musste einige Untersuchungen mitmachen und wurde dann vertröstet, eine Woche später wieder anzurufen wegen der Ergebnisse. Es war eine Woche voller Angst und Bangen. Nach einer Woche rief ich also wieder bei meiner Ärztin an und erkundigte mich nach den Ergebnissen. Meine Ärztin bat mich darum, in die Praxis zu kommen um dort alles zu besprechen.
*** Ich fuhr also in die Praxis und was ich dort hörte, ließ mich fast vom Stuhl fallen. Meine Ärztin riet mir, auf Grund der nicht eindeutigen Laborbefunde, zum Abbruch der Schwangerschaft. Ich dachte die Welt bricht für mich zusammen. Sie meinte, ich müsse mit schweren Missbildungen rechnen, wenn ich das Kind austragen würde.
*** Das war dann doch zuviel für mich. Diese Entscheidung wollte ich nicht gleich und auf der Stelle treffen. Ich bat mir Bedenkzeit aus und fuhr nach Hause. Dort brach ich dann weinend zusammen und konnte diesen ganzen Alptraum nicht glauben. Zwei Wochen hatte ich Zeit, um mich für oder gegen mein Kind zu entscheiden.
*** Ich entschied mich FÜR mein Kind, mit allen Konsequenzen die auf mich zugekommen wären. Jetzt lagen also bange Monate vor mir, ehe ich die endgültige Gewissheit hätte. Doch ich wollte nicht nochmal ein Kind hergeben müssen.
*** Im Dezember 87 wurde Jenny mit einer Woche Verspätung, völlig gesund geboren. Sie hat mich wieder lächeln lassen, doch der Gedanke an Thomas hat mich nie los gelassen. Jenny weiß von ihrem großen Bruder und ich denke, sie hätte sich mit ihm sehr gut verstanden und wäre stolz auf ihn. SIE IST STOLZ AUF IHN !
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